Infos zum Verein

Der Schlesier Verein "Rübezahl" Berlin wurde am 8.März 1926 gegründet. Er wollte nicht nur Schlesier eines bestimmten Heimatkreises als Mitglieder, sondern Landsleute aus allen teilen Schlesiens, die ihr Schicksal nach Berlin getrieben hatte zu einer Zusammenarbeit vereinigen, um ihnen hier in Berlin die Heimat zu erhalten. Und das gelang dem "Rübezahl" Berlin vortrefflich, da muß unser Berggeist selbst mitgeholfen haben. Aber auch Berliner, denen Schlesien mehr bedeutete als nur ein netter Urlaub, waren gern gesehene Gäste und Mitglieder. Die Mitgliederzahl wuchs von Jahr zu Jahr und der Besuch der allmonatlichen Heimatabende, Wanderungen und sonstigen Zusammenkünfte des Vereins bewies, daß sich die Mitglieder im "Rübezahl" sehr wohl fühlten. Auch die alljährlich stattfindende Kirmes des "Rübezahl" war bald ein feststehender Begriff in Berlin, so daß bald die größten Räume nicht ausreichten um alle Gäste zu fassen. Die großen Veranstaltungen wurden im "Ulapp" am Lehrter Bahnhof und in den Zoo- Festsälen gefeiert. Auch die Heimat selbst wurde nicht vergessen. In den Weber- Hungerjahren ,als unser Schlesien ganz vergessen schien, da konnte der "Rübezahl" Berlin sehr kräftig helfen. Geld, Kleidungsstücke und was sonst nur möglich war, wurde nach Schömberg und anderen Orten gesandt. Herr Feist nahm über die Lehrer in den Orten den Kontakt auf und leitete die Hilfe direkt an die Leute heran. Ein ganzes Dorf konnte mit Hilfe des dortigen Lehrers ein Weihnachtsfest vom "Rübezahl" aus Berlin feiern. Als Dank dafür bekam der Verein hier und da Trachtenstücke überreicht. Und bald war eine echte Trachtengruppe auf die Beine gestellt, die eng mit den Trachtengruppen in der Heimat zusammen arbeitete. Hier sei zweier Trachtenschulzen gedacht, unseres ersten Trachtenschulzen Richard Feist und des Schreiberhauer Trachtenschulzen Heinrich Rohkam. Die Zusammenarbeit dieser beiden Männer und deren Gruppen war vorbildlich. 1954 bekam Richard Feist von den Schreiberhauer Trachtenleuten bei einem Besuch in Berlin den Schulzenstab und die Armbinde als Zeichen seiner Würde überreicht. Danach wurden die Zeichen dieser Amtswürde noch dreimal feierlich weiter gereicht. Nach dem Krieg an Herbert Kujau und am 7.9.1952 an Ehrenfried Martini. Am 5.7.1969 bekam unser heutiger Trachtenschulze Horst Gniesewitz das Amt übertragen und kurz danach die Zeichen seines Amtes überreicht. Mit der Heimat eng verbunden wurde der S.V.R. noch Zweigverein des Riesengebirgs- Verein Hirschberg. Mit der Machtübernahme durch die Nazis gab es auch für den Verein viele Probleme. Hier muß man dem damaligen Vorsitzenden des Vereins, der seit der Gründung dem Verein angehörte, danken. Durch wahre Höhen und Tiefen führte Bruno Baar den Verein um ihn aus den Parteiinteressen heraus zu halten. Bruno Baar verstand es ausgezeichnet, durch geschicktes Führen des Vereins bis zum Kriegsende jeden Parteieingriff zu verhindern. Er hatte sogar den Mut, mit dem Verein am 31. März 1939 aus dem Bund heimattreuer Schlesier e.V. auszutreten, da die Trachtengruppe und der Verein voll in die "Braunen"-Interessen einbezogen werden sollten. Durch den allgemeinen Zusammenbruch bei Kriegsende brach auch alles entzwei, was mit viel Mühe und Arbeit errichtet worden war. Alle Mitglieder waren verstreut, oder mußten zum Teil im Krieg ihr Leben lassen. Das Vereinseigentum und das Banner waren verbrannt. Ebenso die meisten Trachtenstücke. Dadurch ist es nicht mehr möglich, auf große Veranstaltungen und dergleichen genauer einzugehen. Zu erwähnen sind die erste Bannerweihe im März 1928 und das der Verein im Jahr 1935 l65 Hauptmitglieder hatte, so daß zusammen mit den Familienmitgliedern der Verein aus etwa 250-280 Mitgliedern bestand. So wie die Stadt Berlin wieder aus den Trümmern erwachte und das Leben in der Stadt neu begann, suchten auch die Mitglieder des "Rübezahl" wieder den Kontakt zueinander. Wenn auch durch die Alliierten ein Zusammenschluß oder die Gründung von Vereinen verboten war, trafen sich seit 1947 alte Mitglieder und neu in die Stadt gekommene Schlesier in Pichelsdorf in gewissen Abständen zu gemeinsamen Gesprächen. Da Schlesier ja zähe und ausdauernd sind, stand der S.V.R. 1950 wieder auf. Um einen Verein zu gründen, verlangten die Alliierten 5 Lizenzträger die nach damaliger Ansicht einen erstklassigen Leumund haben mußten und nie einer Nazi- Organisation angehörten. Die Herren Paul Scholz, Herbert Kujau, Richard Peter, Lm. Stocker und Hugo Frenzel waren die Lizenzträger für die Neugründung des Schlesier Verein "Rübezahl" Berlin. Am 4.6.1950 konnte der erste Vorsitzende Bruno Baar die offizielle Wiedergründung des S.V.R. mit 59 Mitgliedern vornehmen. Durch die straffe Führung des Vereins durch Bruno Baar entstand auch die Trachtengruppe wieder neu. Unser Wahlspruch, der auf der Rückseite des Banners steht, wurde von unserem Landsmann Tonne vertont. Am 15.10.1950 konnte der "Rübezahl" seine erste offizielle Kirmes nach dem Krieg in den Lichterfelder- Festsälen mit 695 Gästen feiern. Zum Tanz spielte die Kapelle Paul Rücker, die über viele Jahre hinaus bis zum Tode ihres Kapellmeisters Lm. Paul Rücker den Verein begleitete. 26 Trachtenträger hatte der "Rübezahl" wieder unter der Leitung von Lm. Herbert Kujau. Als im Januar 1951 der erste Damenkaffee durchgeführt werden konnte und die Wandergruppe zusammenfand, war das Leben im "Rübezahl" wieder voll erblüht. Es fanden wieder jeden Monat Heimatabende statt, die Trachtengruppe hielt ihre Übungsabende ab und der Verein begann wieder zu wachsen. Anfang August 1951 verließ Herbert Kujau den Verein und Ehrenfried Martini wurde mit der Betreuung der Traachtengruppe beauftragt. Am 7.9.1952 wurden ihm dann der Schulzenstab und die Armbinde feierlich überreicht. Gründungsfest und Kirmes waren mittlerweile in Berlin wieder zu einem Begriff geworden. 1953 war der Verein schon wieder auf 140 Mitglieder angewachsen, der Trachtengruppe gehörten schon 37 Personen an. Es begann sich ein Chor zu bilden, der aber nie so recht werden sollte. Es kam der Wunsch nach einem neuen Banner oder einer Fahne auf und am 8.2.1953 wurde mit der Gründung des Fahnenfonds der Grundstein dafür gelegt. Das Jahr 1954 brachte dem Verein am 20.3.1954 mit der Bannerweihe durch Herrn Pfarrer Streckenbach einen neuen Höhepunkt. Im gleichen Jahr kamen ein großer Teil Mitglieder der ehemaligen Breslauer Gruppe in den "Rübezahl" und am 13.6.1954 wurde in Anwesenheit vieler Vorsitzender der befreundeten Vereine eine feierliche Fahnennagelung vorgenommen. Am Heimatabend vom 7.11.1954 beschlossen die Mitglieder den korporativen Beitritt zur Landsmannschaft Schlesien in Berlin. Der damalige Vorsitzende der Landsmannschaft Herr Benno Nehlert hatte mit dem Vorsitzenden des "Rübezahl" Herrn Bruno Baar viele und lange Gespräche deswegen geführt. Auch die alten Mitglieder des Vereins hatten ihre Bedenken zu einem Beitritt. Vielen waren noch die Einflußnahme von Verbänden aus der Zeit vor dem Krieg bekannt und man fürchtete um die Eigenständigkeit des Vereins. Um den Mitgliedern gerecht zu werden, kam es zu der korporativen Mitgliedschaft in der Landsmannschaft die bis heute besteht. Der Verein wird durch den 1.Vorsitzenden oder ein vom Verein bestimmtes Vorstandsmitglied des S.V.R. vertreten. In den folgenden Jahren erweist sich diese Regelung als richtig und als ein geschickter Weg des Vorsitzenden Bruno Baar. Ebenfalls 1954 wird Pfarrer Streckenbach das erste Ehrenmitglied des Schlesier Verein "Rübezahl" Berlin. Am 19.5.1955 tanzte die Trachtengruppe zum ersten Mal den "Leineweber" und der langjährige Schatzmeister Paul Scholz wird Ehrenmitglied und Ehrenschatzmeister. 1956 hat der Verein 221 Mitglieder und 47 Trachtenträger. Im Jahr 1957 führten die jüngeren Mitglieder zum ersten Mal einen Fasching mit Prinzenpaar und Elferrat durch. Der Verein wuchs ständig und hatte viele junge Mitglieder die alle der Trachtengruppe beitraten, so daß der Verein 1959 mit 67 Trachtlern wohl die größte Trachtengruppe in Berlin aufgebaut hatte. Heinrich Menzel wurde Ehrenmitglied und der "Rübezahl" gründete eine Jugendgruppe. Im Jahr 1959 ist Bruno Baar 25 Jahre erster Vorsitzender und wurde am 6.12.1959 aus diesem Anlaß zum Ehrenmitglied ernannt. Die Trachtengruppe machte die ersten Fahrten ins Bundesgebiet und erregte großes Aufsehen durch die Stärke und die Exaktheit der Trachten. Frau Frenzel muß 1961 aus Krankheitsgründen die Leitung des Damenkaffees aufgeben und Frau Ruth Feist übernimmt die Aufgabe. Das Jahr 1965 brachte einen Wechsel im Vorsitz des Vereins. Herr Baar stellte sich aus Ältersgründen nicht mehr zur Wahl und Landsmann Ehrenfried Martini wurde erster Vorsitzender. Landsmann Bruno Baar wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Hiermit war auch der Höhepunkt des Vereins nach dem Krieg erreicht. 241 Mitglieder, 31 Trachtler einschließlich 15 Kinder. Der Verein konnte in dem Lokal Luther- Klause in der Meininger Straße das "Rübezahl- Zimmer" einrichten. Es konnten Bilder und Wappen aus der Heimat aufgehängt werden und der Raum wurde zu einem Treffpunkt des Vereins. Das Damenkränzchen, die Skatfreunde, der Vorstand, die Trachtengruppe, alle hielten hier Zusammenkünfte ab. Dieses Zimmer besteht heute noch, hat aber durch den Wechsel der Wirtsleute an Anziehungskraft verloren. Die monatlichen Heimatabende wurden in den Brauhaus- Sälen in der Badenschen- Ecke Meraner Str. durchgeführt. Die Übungsabende der Trachtengruppe konnten nun endlich im Jugendheim in der Belziger Sraße abgehalten werden. Vorher war es oft schwer einen so großen Raum zu finden und oft mußten die Räume gewechselt werden. Auch aus den Lichterfelder- Festsälen mußte der "Rübezahl" weichen. Hier wurden Tonstudios von Telefunken eingerichtet. Viele Gäste und Mitglieder waren darüber sehr traurig, lag doch immer viel Gemütlichkeit in dem Saal. 1965 verließ Landsmann Baar den Verein. Für viele Mitglieder unverständlich. Das 40.Gründungsfest am 13.3.1966 in den Kindl- Festsälen in Neukölln bringt dem Verein zwei neue Ehrenmitglieder. Es sind die Gründungsmitglieder Frau Auguste Schröer und Frau Henny Feist. Alle Gastfahnen erhielten zur Erinnerung ein Fahnenband überreicht. Im Jahr 1967 übernahm Frau Irmgard Döring die Leitung des Damenkaffees das in der Zwischenzeit in Familienkränzchen umbenannt wurde, um auch den Herren einen Besuch zu ermöglichen. Durch die Jugend im Verein entsteht eine Mitarbeit in der "Deutschen Jugend des Ostens" über viele Jahre. Als die Ansichten der D.J.O. derart verwirrend wurden, daß es den Interessen des "Rübezahl" widersprach, mußten wir die Mitarbeit einstellen. Die Zusammenarbeit in der Trachtenkameradschaft war auch nicht von langer Dauer. Diese Vereinigung löste sich leider auf. Trotzdem hat der Verein viele gute Beziehungen zu Vereinen und Landsmannschaften die zum Teil schon Jahrzehnte bestehen und hoffentlich auch noch lange halten werden. Im Juli 1969 ging die Leitung der Trachtengruppe in die Hände des heutigen Trachtenschulzen Horst Gniesewitz über und im Jahr 1971 wechselte der Vorsitz des Vereins, den Landsmann Dieter Hupp übernahm. 1974 übernahm Landsmann Rudi Riedel die Vereinsführung. Die Zeit erbrachte es, daß die Teilnahme und das Interesse der Mitglieder und der Schlesier überhaupt, an der Heimat und somit auch am Vereinsleben nachließ. Das zu aktivieren und die schlesische Kultur wieder mehr ins Blickfeld zu bringen, sind und waren die Ziele der Vorstände in den letzten Jahren. Doch fehlten oft die finanziellen Mittel dazu. Mit einer Trachtengruppe von 25 Personen und rund 107 Mitgliedern steht der "Rübezahl" auf gesunden Beinen und wird auch weiterhin im Sinne der Gründer des Vereins die Farben weiß/gelb für Schlesien hochhalten. Damit die schlesische Kultur auch weiterhin im Gedächtnis der Mitmenschen bleibt. Sollte der Bericht auch nur annähernd vollständig sein, müßten wir aller verstorbenen Mitglieder gedenken, die stets ihr ganzes Interesse dem Verein gewidmet hatten. Stellvertretend für alle möchten wir nur einige nennen. Frau Maria Frenzel Frau Ruth Feist Herr Josef Friese Herr Hermann Kluge Herr Erwin Herrmann Denn nur durch den großen Einsatz Vieler konnte der Schlesier Verein "Rübezahl" Berlin das werden, als was er in Berlin anerkannt ist.